Ein Leserbrief den uns eine junge Gruppe von Auszubildenden, die kurz vor ihrem Facharbeiter stehen, gesandt hat:
Vor 16 Jahren war Mecklenburg noch das Bundesland mit der durchschnittlich jüngsten Bevölkerung, bald wird der Altersdurchschnitt der höchste sein. Die jungen Einwohner (Abiturienten, Studenten, Facharbeiter, Lehrstellensuchende) verlassen ihre Heimat, weil sie hier kaum Chance auf einen Job haben. Am 17. September finden Landtagswahlen statt. “Zukunft aus eigener Kraft” heißt das Wahlprogramm der SPD, die Mecklenburg-Vorpommern außerdem zum Gesundheitsland Nummer eins ausbauen will.
“Auf jeden Fall Rapsfelder, sehr viele grüne Wiesen, auf jeden Fall wunderschöne Natur, und wenn wir Mecklenburg-Vorpommern hören, auf jeden Fall auch das Meer, dafür sind wir ja auch bekannt. Dass eben wenig los ist, wenig für die Jugend, hier findet man kaum Arbeit und man sollte sich schon was suchen, wo man längerfristig angestellt werden kann, sonst hat man keine Chance. Über die Saison findet man was, da kommt man auch über die Monate, aber im Winter sieht’s ganz schlecht aus. Wir haben die Hypothese, dass wenn die Jugendlichen abwandern, es hauptsächlich mit wirtschaftlichen Gründen zu tun hat, das heißt, dass sie hier in MV nicht die Möglichkeiten haben, sich beruflich weiter zu entwickeln, eine Ausbildung zu bekommen und dann den Entschluss ziehen, MV verlassen zu müssen. Einige wollen das vielleicht andere müssen es.“
Weg von Kiefern, Sand und alten Buchenwälder, weiten Felder und noch viel längeren Alleen. Ein schlafendes Land, still und schön, mit hunderten Seen verziert. Für 1,7 Millionen Einwohner, so viel wie Hamburg, nur besser verteilt. 74 Einwohner pro Quadratkilometer, Tendenz sinkend, seit 1990 haben 200.000 Menschen das Bundesland verlassen, bis 2020 werden es noch einmal soviel sein.
Trotz Wirtschaftswachstum, auf das der Wirtschaftsminister so stolz ist, wird das Land durch Abwanderung weitere 16 Prozent seiner Einnahmen verlieren. Und 2020 bekommt der Nordosten zum letzten Mal Geld aus dem Solidarpakt. “Zukunft aus eigener Kraft”, heißt das Wahlprogramm der SPD, auf den Plakaten lächelt der Ministerpräsident großväterlich mild und spricht davon, den Erfolg fortzusetzen.
346 Unternehmen angesiedelt, heißt es da, und von sozialer Gerechtigkeit ist die Rede. Auch die beiden anderen Spitzenkandidaten sind nette grauhaarige Herren. Sie symbolisieren das Hauptproblem des Landes. Auch die wollen mit Bildung, Arbeit Familienfreundlichkeit und Heimatgefühl gegen das Hauptproblem ankämpfen, gegen die Abwanderung.
“Wir wissen dass alles noch in Entwicklung ist und freuen uns auch, wenn sich alles einmal ändert wird, aber erst mal weg und dann vielleicht wiederkommen.”
Wir vom ruegenerleben.de-Team bedanken uns für diesen Brief